Arzneimittelbild

Damit Hahnemanns Schüler eher in der Lage waren eine ähnliche homöopathische Arznei einem entsprechendem Krankheitsbild zuzuordnen entwickelte er und in der Nachfolge seine Schüler sog. Arzneimittelbilder. Diese setzen sich auch heute aus mehreren Informationsquellen zusammen:

Berichte über Vergiftungen mit der entsprechenden Substanz (z.B. Berufskrankheiten von Arbeitern aus best. Erzbergwerken, Artikel über Folgen von Bissen giftiger Tiere, etc.). Aber auch Berichte von Menschen darüber, was sie fühlen, wenn sie beispielsweise zu viel Kaffee getrunken haben.

Arzneimittelprüfungen an gesunden, aber speziell für diese Substanz empfindsamen Menschen. Diese Personen nehmen über einen begrenzten kurzen Zeitraum ein dynamisiertes (verdünnt und potenziert) homöopathisches Mittel ein und notieren genauestens, ob Symptome und Befindlichkeitsänderungen bei Ihnen auftreten, die sie noch nie zuvor hatten. Nach Absetzen des Mittels verschwinden diese Symptome schnell wieder. Es ist also ungefährlich für den jeweiligen Prüfer. Nimmt man so eine Substanz aber über zu lange Zeit ein, dann könnten sich diese Symptome einschleichen und wären nur schwer wieder zu eliminieren. (Deshalb sollte man auch nicht ohne Verordnung und Kontrolle durch eine erfahrene Behandlerin über einen längeren Zeitraum ein homöopathisches Mittel einnehmen.).

Erfahrungen am Krankenbett. Die Besserung, das Verschwinden bestimmter Symptome beim Menschen und später auch bei Tieren durch das entsprechende homöopathische Arzneimittel wurden dokumentiert.

als gemeinfrei gekennzeichnet

Daraus entstanden für heute insgesamt über ca. 3000 Substanzen sehr differenzierte Indikationssammlungen von Körper- und Gemütssymptomen. So ein Arzneimittelbild kann in heutiger Zeit für eine einziges homöopathisches Arzneimittel viele Seiten (2 – 40 und mehr) eines Buches umfassen. Das bedeutet aber nicht, dass ein Mensch, der dieses Arzneimittel benötigt, an allen diesen Symptomen leiden muss, ja kann. Das würde keiner überstehen. Sein Leiden beinhaltet eine Komposition aus einigen ausgewählten Kriterien dieser Sammlung. Es bedeutet auch nicht, dass einzelne Symptome durch ein paar Globuli verschwinden, wenn die Ähnlichkeit nicht gegeben ist.

Da so ein Arzneimittelbild auch Gemütssymptome beinhaltet, hat es einige Zeitgenossen veranlaßt, darüber populärwissenschaftliche Abhandlungen für Laien zu verfassen, ähnlich wie den Tierkreiszeichenbilder in der Astrologie. Oft spiegeln sie eine persönliche Meinung eines Autors. Danach soll ein Mensch, der Sulphur als Heilmittel benötigt, beispielsweise faul, schlampig und schmutzig sein, jemand der z.B. Lycopodium benötigt feige und cholerisch, usw., usw. Solche Zuordnungen konnte ich in der Praxis nicht bestätigt finden und danach verordne ich auch nicht. Diesen Veröffentlichungen sollte man keinen Glauben schenken.

Da also das Wissen in der Homöopathie so groß geworden ist, ist es auch für eine erfahrene Praktikerin immer wieder notwendig, in Büchern Informationen nachzuschlagen. Das wichtigste Hilfsmittel ist das Repertorium. Das ist eine Sammlung von vielen Symptomen, an denen Menschen schon gelitten haben und die durch homöopathische Arzneimittel gebessert wurden. Da so ein Repertorium heutzutage sehr umfangreich ist, gibt es dafür mittlerweile Computerprogramme. So haben viele moderne Praktiker als bedeutendes Hilfsmittel einen Computer in ihrer Praxis, in dem auch die Materia medica (so heißt die Sammlung von Arzneimittelbildern) enthalten sein kann. Sind Sie also nicht böse oder irritiert, wenn Ihre Behandlerin immer wieder während des Gespräches mit Ihnen auf den Bildschirm schaut und eine Information sucht oder überprüft. Die Entscheidung, welches homöopathische Arzneimittel, welche Globuli in der jetzigen Situation für Sie individuell angebracht ist, trifft die Behandlerin aus allen ihr vorliegenden Informationen und ihrer Erfahrung.

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